Offener Brief von Christof, 7. Juli 2008
Bild, das Christof im Knast gezeichnet hat, Juli 2008

Liebe FreundInnen, liebe solidarische Menschen! Über eineinhalb Monate ist es jetzt her, dass mich Beamte einer Spezialeinheit, mit auf mich gerichteter Waffe, aus dem Bett verhafteten. Seitdem sitze ich, wie drei andere Tierschützer/Tierrechtler auch, in der Justizanstalt Wr. Neustadt in Untersuchungshaft.
Ich vertreibe mir meine Zeit damit viel zu lesen, in der kleinen Zelle etwas Sport zu machen, fern zu sehen (Simpsons!) und noch mehr zu lesen. Lesen gibt mir das Gefühl die Zeit hier sinnvoll zu nutzen, mich weiterzubilden, anstatt einfach nur die Langeweile tot zu schlagen. Außerdem verbringe ich auch viel Zeit damit meine Post immer wieder zu lesen und zu beantworten. Ich habe bisher schon Briefe und Grußkarten von vielen verschiedenen Menschen weltweit bekommen, was mich sehr gefreut und mir viel Kraft gegeben hat!
Es ist toll mit zu bekommen was „draußen“ los ist, was euch beschäftigt, wie ihr euren Tag verbringt. Das hilft der Isolation, der Vereinzelung entgegen zu wirken, genau das worauf Repression abzielt.
Danke auf diesem Weg an alle, die mir bisher geschrieben haben! Bitte seid nicht böse, wenn ich nicht alle Briefe beantworte – ich bekomme wirklich viel Post.
Bei all den Unannehmlichkeiten durch die schmerzhafte Trennung von all denen, die ich liebe und die mir alles bedeuten, gibt es mir unheimlich viel Kraft so viele Menschen hinter mir zu wissen. Es macht mir Mut von so vielen Solidaritätskundgebungen, – Demos, – Parties, Diskussionsveranstaltungen etc. zu hören, die sich mit „unserem“ Thema befassen. Eure Solidarität und oft sehr praktisch Unterstützung ist für mich hier im Knast täglich in vielen kleinen Situationen spürbar und macht für mich definitiv einen großen Unterschied.
Ich danke euch dafür vielmals und wünsche euch, ebenso wie allen anderen Inhaftierten Tierschützern und TierrechtlerInnen, weiterhin viel Kraft!
In Liebe – Christof
Justizanstalt Wr. Neustadt, 07.07.2008
17. July 2008