Offener Brief von Jan aus dem Gefängnis, Anfang Juni 2008

Auch wenn die Mauern hoch, dick und mit Stacheldraht bewehrt sind, die Fenster vergittert und die Stahltüren versperrt sind, spüre ich hier drinnen die Solidarität und Unterstützung von draußen!

Vielen Dank an alle, die sich um uns kümmern, unsere Betreuungspflichten den Tieren, mit denen wir zusammenleben, gegenüber wahrnehmen, sich um eingetretene Türen, Zimmerpflanzen und Mieten kümmern, darum, dass wir Wäsche, Briefe, Besuche und Geld bekommen, dass wir regelmäßig Solidemos hören – und vielen Dank für alle, die sich für eine herrschaftsfreie solidarische Gesellschaft frei von Gewalt einsetzen!

Mir geht es trotz aller Widrigkeiten der Knastmonotonie gut, ich vermisse allerdings die Freiheit und vor allem ganz viele mir liebe Menschen und Tiere! Ich bekomme veganes Essen, inzwischen (nach Wochen) sogar Soja Milch, Aufstriche und Magarine. Die einzige Möglichkeit zur Bewegung ist der Hofgang – 1 Stunde pro Tag 50 Schritte im Kreis. Sonst bleiben nicht viele Möglichkeiten sich zu beschäftigen, etwa lesen, Briefe und Fernsehen. Ich habe nur zu sozialen Gefangenen Kontakt, ich bin im Moment mit 5 anderen auf der Zelle, der Umgang untereinander ist überwiegend solidarisch, Konflikte kommen kaum vor.

Eine politische oder rechtliche Einschätzung traue ich mir im Moment nicht zu, da ich weitgehend von Informationen und von den anderen Betroffenen völlig abgeschnitten bin. Sicher ist nur, dass “Knast” Dank der breiten Solidarität und Unterstützung von draußen aber auch aufgrund meiner Erfahrungen innerhalb der Mauern viel von seinem Schrecken, der ihm für mich immer angehaftet hat, verloren hat.

Ich hoffe es geht Euch da draußen gut! Für eine herrschaftsfreie Gesellschaft ohne Knäste & Käfige!

JAN

5. June 2008